
Die Geschichte unserer Imkerei begann im Jahre 1928, an einem Sonntagmorgen im kleinen siebenbürgischen Dorf namens Belleschdorf. Mein Großvater Christian Uiselt und seine Ehefrau Rosina sollten gerade in die Kirche gehen. Als er an einem Birnenbaum im Hof einen riesigen Bienenschwarm hängen sah, zog er sofort den Kirchenpelz aus und schüttelte den Schwarm in einen aus Weidenzweigen geflochtenen Korb. Was nun? Noch am gleichen Tag, obwohl er gehbehindert war, machte er sich auf den Weg in ein ca. 7km entferntes Dort namens Daia, wo er wusste, dass ein ungarisch stämmiger Landwirt Bienen besaß. Er sah sich die Bienenkörbe des Ungarn an und er erfuhr so manche Dinge über die Imkerei. Wieder zuhause fing er an aus Zweigen einen Bienenkorb zu flechten, den er außen mit Lehm bestrich und setzte den Bienenschwarm rein. Später merkte er, dass der Imker aus Daia ihm einige Sachen vermutlich absichtlich falsch erklärt hatte (vermutlich fürchtete dieser Konkurrenz) und machte sich auf den Weg in das kleine Städtchen Elisabethstadt. Da er wusste, dass dort auch ein Imker war. Dieser deutsch stämmige Imker erklärte ihm dann die Grundbegriffe der Bienenzucht. Er erklärte Großvater auch, wie man wildlebende Honigbienen einfangen kann (ja, zu der Zeit gab es in den Wäldern noch wildlebende Bienen, denn die Natur war noch Natur). Mit einigen Gefäßen, mit etwas Honig, machte er sich auf den Weg in die Wälder rings um Belleschdorf und stellte diese auf. Am nächsten Tag kontrollierte er diese Stellen und merkte, dass Bienen den Honig fortschafften. Er verfolgte den Flug der Insekten und entdeckte die Behausungen, die meistens hohle Baumstämme waren. Bewaffnet mit Körben, Säge, Axt und anderem Werkzeug machte er sich an die Arbeit die Völker auszuheben. Ich möchte nicht wissen, wie viele Bienenstiche er damals abbekommen hat, denn Schutzkleidung wie zur heutigen Zeit besaß er nicht. Schließlich, laut seinen Erzählungen besaß er bis Ende des Jahres stolze 6 Volker in Körben. Diese hatte er in der Scheune aufgestellt und durch ein fehlendes Brett in der Wand flogen sie ein und aus.
Im Herbst war Erntezeit. Da ermittelte Großvater durch anheben der Körbe das Gewicht jedes einzelnen Volkes und die schwersten mussten dran glauben. Aus diesen Körben wurde ein Teil der Bienen abgeschüttelt, die in die Nachbarkörbe flogen. Das zu „schlachtende Volk“ wurde dann einfach ab geschwefelt, die Bienen starben und von unten konnte man die vollen Honigwaben entfernen. Der Honig wurde über einem Sieb von Hand aus den Waben ausgepresst.
Seitens des Imkers war das Arbeiten in den Bienenkörben so gut wie nicht möglich und die Bienen vermehrten sich auf natürliche Weise, also durch Schwärmen. Die Schwärme wurden dann eingefangen. Nach wenigen Jahren merkte Großvater, dass er im Herbst immer seine besten Volker für die Honigernte vernichtete und die Schwachen, die sowieso nicht viel Honig abwarfen über Winter meist starben. Zufüttern von Zuckerwasser war zu der Zeit nicht üblich und bei den Bienenkörben auch nicht möglich.
Bei einem Viehmarktbesuch Anfang der 1930er Jahre in Elisabethstadt entdeckte er ein Imkerbuch von einem gewissen Herr Gerstung. Heute weiß man, dass Georg Ferdinand Gerstung ein Pionier der modernen Imkerei war. In diesem Buch wurde die Betriebsweise in Beuten mit mobilen Rähmchen beschrieben. Sofort kaufte Großvater das Buch und handwerklich begabt wie er war, baute er sich Bienenkästen, Rähmchen und das restliche Zubehör selber. Seine erste Schleuder bestand aus einem alten Holzbottich. Eingriffe in die Völker waren nun möglich und auch zur Honiggewinnung mussten keine Bienen sterben.
Mitte der 1930er Jahre dann die Schicksalsschläge. Seine Ehefrau starb und Großvater blieb alleinerziehend mit einem Sohn (meinem Vater geb. 1931), musste Felder bestellen, Vieh versorgen, Holz zum Heizen und Kochen schlagen und alle sonstigen Arbeiten eines Landwirtes verrichten. Trotzdem pflegte er seine Bienen weiter. Im Garten baute er ein Bienenhaus und hatte bald stattliche 50 Bienenvölker. Eine Wabengießform kaufte er auch im Laufe der Zeit und betonte oft genug, wie teuer diese war. Sie hatte zu der damaligen Zeit den Wert einer Milchkuh, was für einen Landwirt ein recht hoher Preis war. Diese Wabenpresse besitze ich immer noch und gieße meine Mittelwände selber. Tausende Mittelwände wurden mit dieser Gießform schon hergestellt.
Dann kamen die Kriegsjahre, und für die Siebenbürger Sachsen noch viel schlimmeren Nachkriegsjahre. Alle Landwirte wurden enteignet, Grund und Boden beschlagnahmt, das Vieh aus den Ställen geholt und manche Siebenbürger Sachsen verloren sogar Haus und Hof.
Natürlich wurden auch Großvater und Vater nicht verschont und man hatte ihnen auch viele Bienenvölker weggenommen. Rumänische Bauern dachten, der Honig fließt einfach in Eimer, wenn man Bienen im eigenen Garten stehen hat. Natürlich wurde daraus nichts und die entwendeten Bienen gingen ein.
Die wenigen Völker, die Großvater und Vater blieben pflegten sie natürlich weiter, aber zu jenen Zeiten war es schwer, denn man musste viel Kraft für das alltägliche Überleben investieren. Vater musste von Kind an überall mithelfen und eignete sich natürlich auch viel von der Bienenzucht an.
Mitte der 1960er Jahre nachdem Großvater schon lange eine neue Lebensgefährtin hatte, Vater auch verheiratet war und mein Bruder Gerhard und ich schon geboren waren ging es mit der Wanderimkerei los. Alle mussten natürlich mithelfen und es entstand langsam eine „Familienimkerei“ mit ca. 60 Bienenvölkern.
Vater investierte die Sonntage (denn nur die waren frei – und auch nicht alle) und seinen Urlaub für Arbeiten in der Bienenzucht, Mutter verkaufte Honig auf dem Markt und mein Bruder und ich fuhren in den Ferien abwechselnd mit Opa mit. Es gab tollen Honig: Akazie, Wiese, Linde und Sonnenblumen und das nicht zu knapp. Seit 1964 wohnten wir in der Stadt Mediasch, wo es auch ziemlich viele Käufer für guten Honig gab.
Unsere Imkerei vergrößerte sich, um 1982 entschloss ich mich selbstständiger Berufsimker zu werden. Es gab dafür im Kommunismus keine besonderen Vorschriften und es kümmerte den Vater Staat auch nicht, wie man seinen Lebensunterhalt verdiente. Mittlerweile waren wir stolze Besitzer von ca. 200 Bienenvölkern und schleuderten 8.000 – 10.000 Kilogramm Honig im Jahr. Einen Großteil des Honigs mussten wir dem Staat für einen sehr geringen Preis abgeben, den Übrigen durften wir selber vertreiben, und so war ich mit Vater von Anfang Mai bis Ende Juli mit den Bienen unterwegs. Den Rest des Jahres investierte ich in die Bienenpflege, den Bau von Beuten und Rähmchen und sonstigem Zubehör, gießen von Mittelwänden und den Verkauf von Honig.
1983 – 1984 besuchten mein Bruder Gerhard und ich eine Imkerschulung, organisiert vom Imkerverein aus Medaisch (ACA). Die theoretischen Anforderungen entsprachen denen eines heutigen Imkermeisters und für die praktische Seite hatten wir von klein auf die besten Lehrer in Sache Imkerei, die es überhaupt gab, nämlich Großvater und Vater.
Der ganze Honig, den wir und andere Imker dem Staat für wenig Geld abgeben mussten wurde in den Westen exportiert. Da dieser Honig Devisen für den rumänischen Staat brachte wurden wir Imker auch unterstützt. Zum Teil mehr, als man heute in Deutschland als Bienenzüchter unterstützt wird.
1988 wanderten wir nach Deutschland aus und ein Teil unserer Imkerei wurde verkauft und verschenkt. Vieles blieb einfach zurück, da wir so schnell wie möglich wegwollten.
Schon 1989 bekam mein Vater der schon in Ruhestand war ein Bienenvolk von einem alten befreundeten Imker namens Johann Bretz aus Meschen, Siebenbürgen stammend, geschenkt.
Ich meinerseits musste in eine Firma arbeiten gehen, genau wie mein Bruder auch, aber in unserer Freizeit halfen wir Vater bei seinen Bienen, da er in kurzer Zeit 15 Völker hatte.
Nach einem Herzinfarkt starb Vater im Jahre 2001 und so fing ich an, mich intensiver um seine Imkerei zu kümmern. Mein Bruder hilft auch jetzt kräftiger mit und meine Frau bringt den Honig „unter das Volk“.

Mittlerweile besitze ich 45 Bienenvölker auf einem Gartengrundstück in der Gemeinde Sersheim, fertige mein ganzes Zubehör (Beuten, Rähmchen usw.) selber, so wie ich es von Großvater und Vater gelernt hatte. Somit spart man nicht nur sondern hat auch Freude daran.
Wenn die Zukunft mir weiterhin einigermaßen Gesundheit beschwert, so wird sich meine Imkerei noch ein bisschen vergrößern und für die Umwelt wird auch was Gutes getan.
Über die vielen Abenteuer mit der Wanderimkerei in Rumänien, Ärger mit hiesigen Ämtern und mehr, könnte man Bücher schreiben, aber ich glaube für Informationen über die Entstehung meiner/unserer Imkerei ist Genüge getan.

Seit einiger Zeit erwerbe ich Ihren Honig aus dem Tender. Als mein Mann heute wiederein Glas Honig mitbrachte,,bemerkte ich das Etikett.Es leitete mich auf Ihre Homepage und ich las die Geschichte vom Anfang bis heute. Sehr interessant,wie auch politische Gegebenheiten und wie Sie damit umgingen, hier hineingespielt haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin gesunde Bienenvölker und noch viel Erfolg damit. Ich hoffe Sie erinnern sich noch an mich! Grüße aus Kleinsachsenheim von MargareteEckert-Preisser
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Ja unser Vater hatte auch Bienen ich war auch immer in den Ferien mit es war eine Gesellschaft mit Hr.Knall Hr. Gut Hr. Eitel Hr. Schuster und mein Vater Otto Homner schöne ziehten
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Erging mir ähnlich mit meinem Grossvater, Imker aus Hermannstadt. Waren wochenlang in den Bergen mit den Bienen. Die schönsten Erlebnisse meiner Kindheit 🙂 Alles Gute euch und Grüße aus München.
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